Outrageous Predictions
Die Grüne Revolution der Schweiz: 30 Milliarden Franken-Initiative bis 2050
Katrin Wagner
Head of Investment Content Switzerland
Saxo Group
Beim Investieren in Aktien ist es wichtig zu prüfen, ob man ein gutes Preis‑/Leistungsverhältnis erhält. Eine zentrale Kennzahl dafür ist das Kurs‑Gewinn‑Verhältnis (KGV). Dieses Werkzeug liefert in kurzer Form, wie sich der Kurs einer Aktie zu den Gewinnen des Unternehmens verhält und ob die Bewertung im Verhältnis zu den Gewinnen hoch oder tief wirkt. Das KGV vereinfacht die Beurteilung von Aktien, auch wenn Sie gerade erst mit dem Investieren beginnen.
Stellen Sie sich vor, Sie überlegen, ob Sie CHF 100 für eine Aktie bezahlen, die jährlich CHF 5 Gewinn je Aktie erwirtschaftet. Hier hilft das Kurs‑Gewinn‑Verhältnis (KGV): Es zeigt, wie viel Anleger für jeden Franken Gewinn des Unternehmens zu zahlen bereit sind.
Ein hohes KGV kann auf höhere Wachstumserwartungen hinweisen, aber es kann auch andere Ursachen haben. Umgekehrt kann ein niedriges KGV darauf hindeuten, dass die Aktie unterbewertet ist oder dass die Wachstumserwartungen gering sind. Indem Sie das KGV einer Aktie mit dem von vergleichbaren Unternehmen derselben Branche vergleichen, können Sie besser einschätzen, ob der Preis gerechtfertigt ist.
Also: Was genau ist das KGV und wie funktioniert es? Schauen wir uns das genauer an.
Das Kurs‑Gewinn‑Verhältnis (KGV) ist ein einfaches Instrument, das den Aktienkurs eines Unternehmens mit seinem Gewinn vergleicht. Es zeigt, wie viel Anleger bereit sind, für jeden Franken Gewinn des Unternehmens zu bezahlen.
Wenn Sie das KGV einer Aktie betrachten, beurteilen Sie, ob die Aktie aufgrund der Gewinne überbewertet, unterbewertet oder angemessen bewertet ist.
Hier ist die grundlegende Formel zur Berechnung des Kurs‑Gewinn‑Verhältnisses:
KGV = Marktpreis pro Aktie / Gewinn je Aktie (EPS)
Wenn eine Aktie bei CHF 50 gehandelt wird und das Unternehmen CHF 5 Gewinn je Aktie pro Jahr erzielt, beträgt das KGV 10. Das bedeutet, Anleger zahlen 10 Franken für jeden Franken Gewinn, den das Unternehmen erwirtschaftet.
Wenn Sie das KGV (P/E) einer Aktie betrachten, stellen Sie fest, dass es verschiedene Varianten gibt, die jeweils eine leicht unterschiedliche Sicht auf die Bewertung eines Unternehmens liefern.
Diese KGV‑Variante basiert auf den Gewinnen des Unternehmens der letzten 12 Monate. Anleger schätzen das historische KGV, weil es auf realen Daten beruht und daher eine verlässliche Messgrösse dafür ist, wie sich eine Aktie kürzlich entwickelt hat. Ein Nachteil ist jedoch, dass es nur die Vergangenheit widerspiegelt und sich Unternehmen schnell verändern können.
Im Gegensatz zum historischen KGV betrachtet das Forward‑KGV die prognostizierten Gewinne des Unternehmens für die nächsten 12 Monate. Es hilft, die mögliche künftige Entwicklung einer Aktie abzuschätzen, birgt aber Risiken—insbesondere wenn die Gewinnprognosen ungenau sind.
Manchmal können Analysten oder die Unternehmen selbst zu optimistisch oder pessimistisch in ihren Prognosen sein, was zu irreführenden KGV‑Werten führen kann.
Das CAPE berücksichtigt einen längeren Zeitraum und verwendet den Durchschnitt der Gewinne über zehn Jahre, inflationsbereinigt. Es wird häufig zur Bewertung des Gesamtmarktes, etwa des S&P 500, genutzt und ist nützlich, um Gewinnschwankungen auszugleichen, die in verschiedenen Phasen eines Konjunkturzyklus auftreten können.
Das KGV kann ein hilfreiches Werkzeug sein, seine Aussagekraft entfaltet es aber erst im richtigen Kontext. Vergleichen Sie das KGV eines Unternehmens mit dem seiner Branchenkollegen und mit historischen Werten, um besser einzuschätzen, ob eine Aktie über- oder unterbewertet ist.
Ein hohes KGV deutet in der Regel darauf hin, dass Anleger signifikantes Wachstum von dem Unternehmen erwarten. In manchen Märkten und Branchen wird ein KGV von über etwa 25 als hoch angesehen; das bedeutet, Anleger sind bereit, mehr für jeden Franken Gewinn zu zahlen, in der Erwartung, dass die Unternehmensgewinne künftig steigen. Technologiefirmen wie Amazon haben oft hohe KGVs wegen ihres schnellen Wachstumspotenzials.
Ein geringes KGV (in manchen Märkten und Branchen gewöhnlich unter etwa 15) kann dagegen darauf hindeuten, dass eine Aktie unterbewertet ist. Es kann aber auch bedeuten, dass vom Unternehmen kein starkes Wachstum erwartet wird oder es Bedenken hinsichtlich der finanziellen Lage gibt. Value‑Aktien haben häufig niedrigere KGVs, weil ihr Wachstum langsamer ist. Wichtig ist: Es gibt keinen universellen Grenzwert dafür, was als hoch oder niedrig gilt—der Sektor und die betrachtete Periode sind entscheidend.
Unterschiedliche Branchen haben tendenziell unterschiedliche durchschnittliche KGVs, bedingt durch Wachstumsraten, Geschäftsmodelle und Markterwartungen.
Hier eine grobe Übersicht typischer KGV‑Spannen nach Sektor:
Bitte beachten Sie: Diese Spannen dienen nur zur Veranschaulichung und können sich im Zeitverlauf sowie innerhalb eines Sektors deutlich verändern; prüfen Sie stets aktuelle Werte und identische Definitionen (trailing vs. forward).
Ein Branchenvergleich des KGVs liefert eine bessere Einschätzung, ob eine Aktie über- oder unterbewertet ist. So könnte ein KGV von 30 bei einer Bank als hoch gelten, während dasselbe KGV bei einem Technologieunternehmen auf starke Wachstumserwartungen hinweisen könnte.
Wenn Sie das KGV eines Unternehmens mit dem Branchendurchschnitt und den historischen Werten vergleichen, erhalten Sie eine Idee, ob die Aktie überteuert oder zu günstig bewertet ist.
Beispielsweise könnte ein Tech‑Unternehmen mit einem KGV von 50, während der Branchendurchschnitt bei 25 liegt, überbewertet erscheinen—es sei denn, es besteht ein aussergewöhnliches Wachstumspotenzial. Ebenso kann ein deutlich unter den Konkurrenten liegendes KGV darauf hindeuten, dass eine Aktie auf Gewinnbasis günstiger wirkt—allerdings sollten Sie immer überprüfen, warum das so ist.
Anhand konkreter Beispiele lässt sich besser verstehen, wie das KGV in der Praxis zu interpretieren ist.
Hier zwei Beispiele bekannter Unternehmen:
Tesla ist bekannt für sein rasantes Wachstum, und das spiegelt sich im KGV wider. Stand September 2024 liegt das KGV von Tesla bei 71.4, was im Vergleich zu vielen anderen Sektoren relativ hoch ist. Dieses hohe KGV deutet darauf hin, dass Anleger erhebliches zukünftiges Wachstum erwarten.
Teslas Position im Markt für Elektrofahrzeuge und seine Innovationen im Energiebereich sorgen dafür, dass die Aktie im Verhältnis zum Gewinn häufig mit einem Aufschlag gehandelt wird.
Ford, ein traditionellerer Automobilhersteller, weist ein deutlich niedrigeres KGV auf, was seine stabilere, langsamere Wachstumsentwicklung widerspiegelt. Stand September 2024 beträgt das KGV von Ford 11.40. Dieses tiefere KGV weist darauf hin, dass Ford eher als Value‑Aktie gilt und vom Markt möglicherweise unterbewertet wird.
Anleger erwarten in der Regel weniger starkes Wachstum im Vergleich zu Unternehmen wie Tesla, doch Fords etablierte Marktstellung, verbunden mit konstanten Dividenden, macht das Unternehmen für bestimmte Anlegertypen attraktiv.
Das KGV ist zwar ein nützliches Werkzeug zur Bewertung einer Aktie, hat aber Einschränkungen, die zu irreführenden Schlussfolgerungen führen können, wenn man es unkritisch verwendet. Hier einige Punkte, die Sie beachten sollten:
Das KGV berücksichtigt nicht das Wachstumspotenzial eines Unternehmens, weshalb es sich weniger gut zum Vergleich von Wachstumsaktien eignet. Hier kommt das PEG‑Verhältnis ins Spiel. Das PEG‑Verhältnis passt das KGV an die erwartete Gewinnwachstumsrate des Unternehmens an.
PEG‑Verhältnis = KGV / erwartete jährliche EPS‑Wachstumsrate (in der Regel als % angegeben).
Ein hohes KGV mag auf den ersten Blick abschreckend wirken, doch bei hoher Wachstumsrate kann das PEG‑Verhältnis anzeigen, dass die Aktie trotzdem fair bewertet ist. Das PEG ist besonders nützlich in schnell wachsenden Sektoren wie der Technologie, wo hohe KGVs häufig vorkommen.
Wenn ein Unternehmen negative Gewinne ausweist, wird das KGV negativ oder undefiniert. Ein negatives KGV bedeutet in der Regel, dass das Unternehmen Verluste schreibt, wodurch diese Kennzahl für die Bewertung weniger brauchbar wird. In solchen Fällen sollte man andere Finanzkennzahlen wie Cashflow oder erwartete zukünftige Gewinne heranziehen.
Eine grundlegende Schwäche des KGV ist, dass es auf ausgewiesenen Gewinnen basiert, die durch Bilanzierungspraktiken beeinflusst werden können.
Beispielsweise können Unternehmen durch buchhalterische Massnahmen ihre ausgewiesenen Gewinne zeitweise verbessern, sodass das KGV besser aussieht, als es tatsächlich ist. Solche Verzerrungen können zu einer Über‑ oder Unterbewertung der Aktie führen.
Das KGV ist ein guter Ausgangspunkt, um einzuschätzen, ob eine Aktie fair bewertet ist. Es liefert eine Momentaufnahme davon, wie der Markt die Zukunftsaussichten eines Unternehmens einschätzt—ob Anleger einen Aufschlag für erwartetes Wachstum bezahlen oder ob die Aktie aufgrund begrenzter Erwartungen tief bewertet ist.
Das KGV ist jedoch nur ein Werkzeug unter vielen. Ein hohes KGV bei einem schnell wachsenden Unternehmen bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Aktie überteuert ist, und ein niedriges KGV ist nicht automatisch ein Schnäppchen. Es ist wichtig, tiefer zu schauen, die Gründe hinter den Zahlen zu verstehen und andere Kennzahlen wie das PEG‑Verhältnis hinzuzuziehen, um zu einer umfassenderen Bewertung zu gelangen.
Letztlich hilft das KGV bei der Orientierung, doch zur fundierten Entscheidung sollten Sie das Unternehmen im Ganzen betrachten: sein Wachstumspotenzial, die Wettbewerbssituation und die Branchenbedingungen.
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